Persönlichkeiten des KONTOR CLUBS

EIN GESPRÄCH MIT ULRICH WEINKATH

Uli, wie würdest du dich jemandem vorstellen, der dich und deine Arbeit noch nicht kennt?
Ich würde sagen: Ich bin jemand, der Räume nicht nur gestaltet, sondern sie liest. Mich interessiert weniger der schnelle Effekt als das, was bleibt – Atmosphäre, Haltung, Identität. In meiner Arbeit geht es darum, Orte zu schaffen, die sich richtig anfühlen, weil sie zum Menschen, zur Nutzung und zur Geschichte passen. Ich arbeite ruhig, präzise und mit einem hohen Anspruch an Qualität und Klarheit – immer mit dem Ziel, dass ein Raum mehr kann als nur gut aussehen.

Was hat dich ursprünglich zum Interior Design gebracht?
Es war weniger eine bewusste Entscheidung als ein schleichender Prozess. Schon früh habe ich Räume anders wahrgenommen: Proportionen, Materialien, Lichtstimmungen. Mich hat fasziniert, wie stark Umgebung unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst. Interior Design war für mich dann die logische Verbindung aus Gestaltung, Handwerk, Psychologie und Kultur – ein Feld, in dem ich analytisch denken und gleichzeitig intuitiv arbeiten kann.

Gab es einen Moment, in dem du wusstest: „Das ist genau mein Weg“?
Ja, aber nicht als großes, lautes Aha-Erlebnis. Eher als stilles, sehr klares Gefühl, das sich mit jedem Projekt bestätigt hat. Immer dann, wenn ein Raum fertig war und man gespürt hat, dass er funktioniert – nicht nur visuell, sondern emotional. Diese Momente haben mir gezeigt: Das ist nicht nur ein Beruf, das ist eine Haltung. Und genau deshalb ist es mein Weg.

Haltung & Stil

Wie würdest du deinen Stil in drei Worten beschreiben?
Reduziert. Zeitlos. Sinnlich. Klar in der Form, ruhig in der Wirkung, präzise im Detail.

Was macht für dich einen wirklich guten Raum aus?
Ein guter Raum drängt sich nicht auf – er trägt. Er unterstützt das, was in ihm passiert, ohne ständig Aufmerksamkeit zu verlangen. Proportionen stimmen, Materialien altern würdevoll, Licht ist bewusst gesetzt. Vor allem aber fühlt sich der Raum selbstverständlich an, als wäre er schon immer genau so gedacht gewesen.

Gibt es Prinzipien, von denen du bei keinem Projekt abweichst?
Ja. Ehrlichkeit im Material, Klarheit im Konzept und Respekt vor dem Kontext. Ich gestalte nichts, was nur kurzfristig funktioniert oder ausschließlich Trends bedient. Jeder Entwurf braucht eine innere Logik – und eine Begründung, die über „gefällt mir“ hinausgeht.

Arbeitsweise

Was unterscheidet deine Arbeit von „schöner Einrichtung“ aus dem Katalog?
Ein Katalog zeigt Lösungen, meine Arbeit stellt Fragen. Ich beginne nicht mit Möbeln, sondern mit dem Raum, den Menschen und der Nutzung. Es geht nicht um das Arrangieren von Produkten, sondern um das Entwickeln einer Atmosphäre. Das Ergebnis ist kein austauschbares Bild, sondern ein Ort mit Charakter – individuell, leise und dauerhaft.

Wie beginnt ein typisches Projekt bei dir – mit welcher Frage startest du?
Am Anfang steht für mich immer die Frage: Was soll dieser Raum leisten – und für wen? Bevor ich über Formen oder Materialien nachdenke, möchte ich verstehen, wie gelebt, gearbeitet oder empfunden wird. Erst wenn das klar ist, kann Gestaltung sinnvoll und stimmig entstehen.

Wie wichtig ist dir die Persönlichkeit des Kunden im Gestaltungsprozess?
Sie ist zentral. Ein Raum kann nur dann funktionieren, wenn er zur Persönlichkeit passt – nicht zu einem Bild, sondern zu einem Menschen. Meine Aufgabe sehe ich darin, zuzuhören, zu filtern und zu übersetzen. Gute Gestaltung entsteht dort, wo sich die Haltung des Kunden und meine gestalterische Sprache treffen.

Arbeitest du eher intuitiv oder sehr strukturiert nach Plan?
Beides – und genau in dieser Kombination liegt für mich die Qualität. Die Intuition gibt die Richtung vor, die Struktur sorgt dafür, dass sie tragfähig wird. Ein gutes Konzept entsteht nicht aus Zufall, sondern aus einem klaren Prozess, der trotzdem Raum für Gefühl und Erfahrung lässt.

Mit wem arbeitest du zusammen (Handwerk, Manufakturen, Künstler)?
Ich arbeite bevorzugt mit ausgewählten Handwerkern, Manufakturen und spezialisierten Partnern, die ein ähnliches Qualitätsverständnis haben wie ich. Mich interessiert keine anonyme Serienlösung, sondern Substanz, Präzision und Dialog. Wo es sinnvoll ist, beziehe ich auch Künstler oder individuelle Anfertigungen mit ein – immer dann, wenn sie dem Raum Tiefe und Eigenständigkeit geben.

Praxis & Projekte

An welches Projekt denkst du besonders gern zurück – und warum?
Besonders gern denke ich an Projekte zurück, bei denen anfangs vieles offen war – kein klares Bild, aber ein großes Vertrauen. Diese Prozesse waren oft anspruchsvoll, aber genau dort konnte Gestaltung wirklich entstehen. Wenn aus anfänglicher Unsicherheit am Ende ein Raum wurde, der selbstverständlich wirkt und vom Kunden ganz selbstverständlich angenommen wird, bleibt das in Erinnerung.

Gibt es Materialien oder Details, die deine Handschrift besonders zeigen?
Mich begleiten Materialien mit Tiefe und Patina: Holz, Stein, Textilien mit Struktur, matte Oberflächen. Details sind bei mir nie dekorativ, sondern funktional und ruhig gelöst – Schattenfugen, saubere Übergänge, zurückhaltende Beschläge. Es sind oft die Dinge, die man nicht sofort sieht, die den Raum tragen.

Was war die größte Herausforderung, die du gestalterisch lösen musstest?
Die größte Herausforderung ist meist nicht der Raum selbst, sondern das Gleichgewicht zwischen unterschiedlichen Anforderungen: funktional, emotional, wirtschaftlich. Besonders spannend – und fordernd – sind Projekte, bei denen starke Meinungen, begrenzte Rahmenbedingungen und hohe Ansprüche zusammenkommen. Eine klare, reduzierte Lösung zu finden, die all dem gerecht wird, ist anspruchsvoll – und genau das reizt mich.

Blick auf Menschen & Räume

Was sollten Menschen zuerst über ihren eigenen Raum verstehen, bevor sie ihn verändern?
Sie sollten verstehen, warum der Raum heute so ist, wie er ist – und warum er sich vielleicht nicht richtig anfühlt. Oft liegt das Problem nicht an einzelnen Möbeln, sondern an Abläufen, Proportionen oder falschen Prioritäten. Erst wenn klar ist, was wirklich fehlt, macht Veränderung Sinn.

Welchen Fehler siehst du in Wohnungen oder Büros am häufigsten?
Dass Räume überladen werden – mit Möbeln, Funktionen oder Ideen. Alles soll gleichzeitig möglich sein, alles sichtbar, alles „schön“. Dabei geht oft die Klarheit verloren. Weniger, aber bewusst eingesetzt, würde vielen Räumen deutlich mehr Ruhe und Qualität geben.

Was bewirkt gutes Interior Design deiner Meinung nach im Alltag?
Gutes Interior Design entlastet. Es schafft Orientierung, Ruhe und Selbstverständlichkeit. Man denkt weniger über den Raum nach, weil er funktioniert – und hat mehr Energie für das, was darin passiert. Im besten Fall merkt man gar nicht, warum es sich gut anfühlt. Man spürt es einfach.

Persönlicher Abschluss

Was inspiriert dich außerhalb der Designwelt?
Mich inspirieren Dinge, die mit Sinnlichkeit, Ruhe und Echtheit zu tun haben: die Textur von Materialien in der Natur, die Klarheit von Licht in der Stadt, Menschen, die mit Haltung und Geduld arbeiten. Auch Musik, Literatur oder ein Spaziergang am Wasser liefern oft überraschende Impulse, die sich später in Form, Stimmung oder Materialwahl in Projekten wiederfinden.

Wo in Hamburg fühlt sich ein Raum für dich „perfekt“ an?
„Perfekt“ fühlt sich ein Raum dort an, wo Architektur, Licht und Atmosphäre zusammenpassen – zum Beispiel in ruhigen Altbauwohnungen mit hohen Decken, großen Fenstern und subtilen Details. Orte, die zugleich Geschichte spüren lassen und doch offen für den Alltag sind, haben für mich diese besondere Balance zwischen Präsenz und Zurückhaltung.

Wenn dein Stil ein Ort, ein Objekt oder ein Gefühl wäre – was wäre es?
Mein Stil wäre ein Ort der Stille und Klarheit – ein Raum mit Licht, das sanft fällt, Materialien, die atmen, und Ecken, die zum Verweilen einladen. Es wäre kein lautes Statement, sondern ein Gefühl von Sicherheit, Ruhe und Zeitlosigkeit, das sich unaufdringlich durch den Alltag zieht.

Drei schnelle Zitat-Fragen

„Ein Raum ist gelungen, wenn …?“
…man ihn nicht erklären muss, sondern einfach spürt, dass alles stimmt – Proportionen, Licht, Material, Stimmung. Wenn ein Raum selbstverständlich wirkt, ohne Aufmerksamkeit zu erzwingen, dann ist er gelungen.

„Luxus bedeutet für mich …?“
…Qualität, Ruhe und Zeit. Luxus ist nicht Überfluss, sondern Substanz: Materialien, die altern wie sie sollen, Details, die bewusst sind, und Räume, die atmen. Es ist das Gefühl, dass alles an seinem Platz ist und nichts überflüssig ist.

„Hanseatisch ist für mich …?“
…klar, zurückhaltend und auf den Punkt. Hanseatisch ist keine Dekoration, sondern Haltung: Präzision, Ruhe, Beständigkeit. Es ist die Verbindung von Funktion, Ästhetik und Understatement – solide, unaufgeregt, aber mit Charakter.

Wer mehr über Ulrich Weinkath, seine Arbeitsweise und aktuelle Projekte erfahren möchte, darf sich jederzeit direkt an ihn wenden.

KONTAKT ULRICH WEINKATH

TEL: +49 40 328 602 06

MAIL: uweinkath@uweinkath.com

WEBSITE: www.uweinkath.com